Martinstag

Am 11. November ist Martinstag. Seit vielen Jahren wird auch in Aue dieser Tag als Fest der Kinder und Familien begangen. Die christlichen Kirchen der Stadt laden alle Kinder mit ihren Eltern, Großeltern, Tanten, Onkeln und Freunden zum Martinsspiel auf der kleinen Naturbühne am Carolateich ein. Die Kinder bringen Ihre - teilweise selbst gebastelten - Laternen mit. In einer kurzen Ansprache wird an die Geschichte des heiligen Martin erinnert und deren Vorbildcharakter für uns heute erklärt. Nach dem Spiel, bei dem auch Pferd und Reiter nicht fehlen dürfen, setzt sich der Lampionumzug zu einer der in der Nähe gelegenen Kirchen in Bewegung. Die Polizei sorgt für sichere Straßen und die Posaunenchöre der Gemeinden umrahmen die ganze Veranstaltung. Am Ziel angekommen, gibt es die traditionellen Martinshörnchen, die nach dem Vorbild des heiligen Martin mit Freunden und Verwandten geteilt werden.



Wer war dieser heilige Martin eigentlich und warum feiern wir ein Martinsfest?

Verehrt wird der heilige Martin von Tours, der im 4. Jahrhundert nach Christus lebte, vor allem wegen einer guten Tat. Während seiner Zeit als Soldat, als Martin nichts außer Waffen und dem einfachen Soldatenmantel bei sich trug, sah er mitten in einem harten Winter am Stadttor von Amiens einen nackten Armen. Dieser flehte die Vorbeigehenden um Erbarmen an. Doch alle liefen an dem Elenden vorüber. Martin empfand großes Mitleid mit dem Mann, der dem Erfrieren nahe war. Aber was sollte er tun? Außer seinem Soldatenmantel hatte er ja nichts. Also nahm er sein Schwert und teilte den Mantel mitten entzwei. Den einen Teil gab er dem Armen, in den anderen Teil hüllte er sich wieder selbst. Etliche der Umstehenden begannen zu lachen, denn Martin sah mit dem halben Mantel kümmerlich aus.

In der folgenden Nacht, als Martin in tiefem Schlafe lag, sah er - der Überlieferung nach Christus mit seinem halben Soldatenmantel bekleidet, den er dem armen Bettler gegeben hatte. Dann hörte Martin Jesus mit lauter Stimme zu der umstehenden Engelschar sprechen: „Martin hat mich mit diesem Mantel bekleidet”. Jesus Christus bezog sich dabei auf seine eigenen Worte, die er einst gesprochen hatte: „Was immer ihr einem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan” (Matthäus 25, 40).

Martin hatte eigentlich nichts Besonderes getan, doch er hatte das christliche Gebot der Nächstenliebe auf beeindruckende Weise erfüllt.

Martin von Tours wurde im Jahr 372 zum Bischof geweiht. Seine bescheidene Haltung und gleichzeitig sein kompromissloses Eintreten für den rechten Glauben machten ihn im Volk überaus beliebt.

Deshalb gehört Martin von Tours, der nach seinem Tod bald auch heilig gesprochen wurde, zu den bekanntesten, beliebtesten und vor allem verehrtesten Heiligen der katholischen Kirche. Aber nicht nur dort lebt der Heilige fort: Auch evangelische Christen begehen heutzutage den Martinstag, zumal der 11. November auch der Tauftag von Martin Luther ist. Der Namenstag des heiligen Martin ist in Deutschland zu einem Fest für die Kinder geworden und wird auf traditionelle Weise mit Martinsspielen, Laternenumzügen und dem Teilen der Martinshörnchen begangen.